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Markus Steinacker
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Lügde - Der Prozess

Der Prozess zu den Lügder Missbrauchsfällen

Der Prozess zum Lügder Missbrauchsfalls startet am Donnerstag, 27. Juni, vor dem Landgericht Detmold. Unser Reporter Frank Schröder ist bei den öffentlichen Verhandlungsterminen mit dabei. Auf dieser Seite halten wir euch immer auf dem Laufenden.


Abgetrennter Prozess gegen Heiko V. aus Stade

Das Urteil ist gefallen: Heiko V. bekam am Abend (17.07.) eine zweijährige Haftstrafe die zur Bewährung ausgesetzt wurde. An die Strafe sind Auflagen geknüpft. Der 49jährige muss sich einer Therapie unterziehen und eine Geldstrafe zahlen. Schuldig wurde der Mann wegen Anstfitung und Beihilfe zu sexuellem Missbrauch gesprochen.


Der fünfte Prozesstag

+++ 15:30 Uhr: Das Gericht hört die letzten Zeugen für heute +++

12.07.: Gerade befragt das Gericht noch zwei weitere Zeugen - auch wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Danach ist der Prozess für heute zu Ende.

Auch die Aussage der heute achtjährigen Pflegetochter von Andreas V. war nicht öffentlich. Sie gilt in dem Prozess als zentrale Zeugin. Nach Angaben ihres Anwalts wird das Mädchen aktuell in einer Einrichtung betreut und wird später auch eine Therapie beginnen. Momentan sei sie aber noch nicht so weit, über die Dinge zu sprechen.

Das Mädchen war erst fünf Jahre alt, als sie im Frühjahr 2016 in die heruntergekommene Camping-Unterkunft von Andreas V. einzog. Ihr soll besonders schweres Leid angetan worden sein.

 

Der Richtertisch im Lügde-Prozess

 

+++ 13:45 Uhr: Pflegekind sagt aus +++

Als zweite Zeugin soll um viertel vor Zwei das Pflegekind von Andreas V. aussagen. Das Mädchen ist heute acht Jahre alt.

+++ 13 Uhr: Zwei Zuschauer verlassen das Gericht  +++

Die beiden Männer, die aus dem Zuschauerraum geholt worden sind, sind wieder aus dem Nebenraum herausgekommen. Sie wurden aber direkt in den Fahrstuhl verfrachtet und dann wahrscheinlich aus dem Gericht rausgebracht. Sie waren nicht in Begleitung von Justizmitarbeitern, sondern von mehreren Polizisten.

In der Verhandlung ging es unterdessen um einen Mailkontakt zwischen Andreas V. und einem Mädchen. Das Gericht hat 12.000 Mails ausgewertet. In den Mails zeigt sich, wie der Angeklagte seine mutmaßlichen Opfer so manipuliert hat, dass sie sich auch von selbst bei ihm gemeldet haben.

So schreibt das Mädchen beispielsweise: „Hallo Addi, hast du mich vergessen?“. Er antwortet darauf: „Wie könnte ich dich vergessen? Schade, dass du nicht kannst, du musst ja zur Schule…“. Die Mails sind voll mit Smileys und Abkürzungen wie HDL (Hab dich lieb).

In einer anderen Mail schreibt das Mädchen: „X hat bald Geburtstag.“. Andreas V. antwortet: „Bring sie doch mal mit. HDL“. Das Mädchen hat dem Angeklagten dann noch ein gemeinsames Foto von sich und der besten Freundin geschickt und geschrieben: „Sie darf nicht mit, aber ich kann ja eine andere Freundin mitbringen.“

In den Mails geht es auch häufig und Handys, Laptops und Co. Dazu fragt das Mädchen den Angeklagten: „Hey Papa-Bär, sind denn die Handys alle so teuer? Hab dich lieb“.

Die beiden Zuschauer wurden in den Raum hinter den Sichtschutzwänden gebracht

 

+++ 12:45 Uhr: Zwei Zuschauer werden aus Saal gebeten +++

Mehrere Wachtmeister haben zwei Leute aus dem Zuschauerraum in einen Nebenraum gebeten, weil die Männer sich in Reichsbürgermanier verhalten haben soll. Der eine Mann hatte sich gegenüber der Presse schon angedeutet, Reichsbürger zu sein. Er war schon an mehreren Tagen da, dann aber allein.

Unterdessen sagt die erste Zeugin für heute schon seit 12.40 Uhr aus. Dafür wurden Öffentlichkeit und Angeklagte ausgeschlossen.

+++ 12:30 Uhr: Zeuginnen kommen nicht +++

Im Lügde-Prozess hat sich heute wieder gezeigt, wie tief die Wunden bei den Opfern sind. Zwei Mädchen sind heute nicht gekommen, weil es ihnen für eine Aussage immer noch zu schlecht geht. Das hat ihre Anwältin heute vor Gericht geschildert.

Für 13 Uhr ist die nächste Zeugin geladen. Das Gericht berät gerade über den Antrag, dass bei ihrer Aussage wieder Öffentlichkeit und Angeklagte ausgeschlossen werden sollen. Denn auch sie hat Angst vor dem Angeklagten.

+++ 12 Uhr: Tag 5 im Lügde-Prozess startet +++

Im Prozess um die Missbrauchsfälle von Lügde will das Gericht heute sechs Zeugen hören. Darunter sind vier mutmaßliche Opfer. Höchstwahrscheinlich werden die Aussagen wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Abseits der Verhandlung kommen immer wieder neue Details ans Licht. In der vergangenen Woche ist bei Gericht viel über einen weiteren Verdächtigen gesprochen worden. Vor dem heutigen, fünften Verhandlungstag sorgt die Anzeige des Hauptangeklagten gegen die Mutter eines Opfers für Gesprächsstoff. Da geht es um angebliche Schweigegelderpressung.

Die Frau will sich ihrerseits mit einer Anzeige gegen diese Behauptung wehren. Opferanwalt Roman von Alvensleben wundert sich, dass der Hauptangeklagte so etwas macht, anstatt etwas über mögliche weitere Täter zu erzählen. Das wäre sehr im Sinne der Opfer, sagte uns der Anwalt im Interview.

Tag 5 im Lügde-Prozess

Der vierte Prozesstag

An Tag 4 (5. Juli) im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde standen weitere Zeugenaussagen an. Die vorsitzende Richterin hatte den Verhandlungstag im Vorfeld eingekürzt, weil wieder einige Zeugen abgesagt hatten.

Es sagten drei Opfer (Geschwister) und ihre Mutter aus. Dafür hat das Gericht sowohl die Öffentlichkeit, als auch die Angeklagten rausgeschickt. Die Kammer will damit die Kinder schützen und dafür sorgen, dass sie sich auch trauen, die Wahrheit zu sagen.

Durch diesen Eingang kommen die Prozessbeteiligten ungesehen ins Gericht.

 

Nach einer Dreiviertelstunde war die Befragung der ersten vier Zeugen beendet. Danach sagte eine weitere Mutter aus. Und auch ein Vater wurde befragt. Seine beiden Kinder, die heute sechs und neun Jahre alt sind, sollen auch missbraucht worden sein.

Konkurrenzverhältnis auf dem Campingplatz

Alle Aussagen erfolgten am Freitag (5. Juli) wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wie uns Opferanwalt Roman von Alvensleben sagte, sollen die Kinder abwechselnd von den beiden Hauptangeklagten missbraucht worden sein. Laut den Aussagen hat es auf dem Campingplatz wohl eine Art Konkurrenzverhältnis der beiden Angeklagten im Umgang mit den Kindern gegeben.

 

Warum haben die Eltern nichts gemerkt? – Warum haben Verwandte nichts gemerkt? Der jahrzehntelange Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen blieb offenbar auch deswegen so lange unentdeckt, weil es unter einigen Tätern und Opfern mehr familiäre und freundschaftliche Nähe gab als bisher öffentlich wurde.

Die Verhältnisse gehen von unmittelbarer Verwandtschaft bis hin zum Patenonkel. Für Opferanwalt Roman von Alvensleben zeigt das auch eine Zeugenaussage vom vierten Prozesstag:


Der dritte Prozesstag

Der dritte Prozesstag ist am Donnerstag, 4. Juli, um 9 Uhr gestartet. Das Gericht setzt die Befragung von Zeugen weiter. Davon waren 20 geladen - Opfer und deren Angehörige. Allerdings sind nicht alle Zeugen gekommen. Einige sagten ihre Teilnahme am Prozess kurz vorher ab. Wie uns eine Gerichtssprecherin sagte, kommen beim Landgericht fast täglich Faxe mit Absagen rein.

Am dritten Prozesstag hörte das Gericht zuerst die Mutter einer heuten Achtjährigen. Das Kind soll ebenfalls Opfer des Missbrauchs geworden sein. Das Kind selbst machte keine Aussage.

Parallel zum Prozess ist am Donnerstag bekannt geworden, dass es einen neuen Tatverdächtigen im Fall Lügde gibt. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen einen 57-jährigen Steinheimer eingeleitet. Ein minderjähriges Opfer soll den Mann bei polizeilichen Befragungen belastet haben. Die Ermittlungskommission "Eichwald" durchsuchte an zwei Tagen die Parzelle des Beschuldigten auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen.

Opferanwältin Anke Reese sagt: Die Kinder haben Angst vor den Angeklagten

 

Im Verlauf des dritten Prozesstages hörte das Gericht weitere Zeugen. Unter anderem sagten am Mittag auch Mutter und Kind aus. Dazu mussten auch die beiden Angeklagten Mario S. und Andreas V. den Saal verlassen. Die Kinder haben Angst vor den Angeklagten.

 


Der zweite Prozesstag

Am Freitag (28. Juni) wurde der Prozess um 12 Uhr fortgesetzt. Schon am zweiten Prozesstag sind deutlich weniger Zuschauer und Medienvertreter anwesend.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Anke Grudda startete die Beweisaufnahme. Es sind mehrere Zeugen befragt worden. Darunter auch zwei Opfer des mutmaßlichen Haupttäters. Während der Befragung war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Der angeklagte Dauercamper Andreas V. bat über seinen Anwalt darum, den Saal während der Aussage zu verlassen. Er wünsche keinen visuellen Kontakt zu den Opfern. Deshalb würde er gerne raus gehen. Die Richterin lehnte das ab. Das hier sei kein Wunschkonzert, so Anke Grudda. Dann solle er sich eben hinter seinem Aktenordner verstecken. 

Aus dem Zuschauerbereich war zu hören: "Das ist aber feige".

Unter den Zeugen war eine junge Erwachsene, die laut Gerichtssprecherin zum Zeitpunkt der Übergriffe jugendlich war. Auch eine Bekannte von ihr wurde angehört. Außerdem befragte die Richterin ein zehnjähriges Kind und dessen Mutter. Die Zehnjährige ist ihrem Anwalt zufolge von Andreas V. im Alter von neun Jahren missbraucht worden.


Auf dem Campingplatz sollen sich die Gräueltaten abgespielt haben

Fall von Heiko V. wird gesondert verhandelt

Das Verfahren gegen Heiko V. aus Stade wurde abgetrennt. Er wird sich dann gesondert vor Gericht verantworten müssen.Die Hauptverhandlung gegen ihn ist für den 17. Juli geplant. Am selben Tag soll es auch ein Urteil geben.

Heiko V. soll Kinderpornos bei dem Dauercamper in Auftrag gegeben haben. Und über Webcam live bei dem Missbrauch zugesehen haben.

Außerdem hat das Gericht am zweiten Verhandlungstag (öffentlich) den E-Mail-Kontakt zwischen Heiko V. und Andreas V. vorgelesen. Reporter Frank Schröder sagt: "Es ist unglaublich widerlich, was da zur Sprache kommt."

Richterin Anke Grudda hat die perversesten Einzelheiten über alle denkbaren Sexualpraktiken und perversesten Bezeichnungen von Geschlechtsorganen von Kindern vorgelesen.

 

 

Das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Mail-Verlauf. Unser Reporter sagt: Da wurde über die Kinder gesprochen, als wenn es um Postsendungen geht. Sie wurden bewertet und das alles in einer unglaublichen Beiläufigkeit. Ein Beispiel für diese Beiläufigkeit während des Mail-Gesprächs: "Und, hast du deinen Führerschein bestanden?"


In Saal 165 geht es um die Missbrauchsfälle

Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda


Der Prozessauftakt

Außenansicht Landgericht Detmold kurz vor Prozessbeginn

 

Am Donnerstag (27. Juni) ist um 9 Uhr der Prozess zu den Lügder Missbrauchsfällen vor dem Landgericht Detmold gestartet. Der Prozess ist der größte, der jemals in Saal 165 stattgefunden hat. In dem Raum gibt es nur 73 Plätze. Für die vielen Nebenkläger wurden eigens neue schmalere Tische gekauft, damit alle Opferanwälte sitzen können. Eine Zeugen-Aussage per Video-Übertragung aus einem anderen Raum ist möglich.

Zu Beginn des Prozesses liest die Staatsanwaltschaft die Anklageschift vor. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. 

Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatten das beantragt

Die Begründung des Gerichts ist, dass der Schutz der Opfer schwerer wiegt als das Interesse der Öffentlichkeit.

"Die Taten sind so abscheulich, dass man die beteiligten Kinder schützen muss", so die Vorsitzende Richterin Anke Grudda. "Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt", so Grudda weiter. Es gelte aber die Unschuldsvermutung, das Gericht werde unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten. Der Ausschuss gelte erst mal nur für die Anklageverlesung, danach müsse für jeden Prozessabschnitt neu beraten werden.  

In den Anklageschriften stehen intime Details und die vollen Namen und Wohnorte der Kinder.

Der Vater eines Opfers sagt unserem Reporter später vor Saal 165: "Seid froh, dass ihr als Presse bei der Anklageverlesung nicht mit dabei wart." Die Details, die in der Anklage zutage kamen, waren offenbar entsetzlich.


In Saal 165 ist der Missbrauchsprozess gestartet

Dauercamper versteckt Gesicht hinter Aktenordner

Der angeklagte Lügder Andreas V. kam mit Aktenordner vor dem Gesicht und Kapuze über dem Kopf in den Gerichtssaal. Der angeklagte Steinheimer Mario S. verdeckte sein Gesicht nicht.

Der angeklagte Mann aus Stade, Heiko V., hielt sich ebenfalls einen Aktenordner vor das Gesicht. Er ist auf dem Foto nicht zu sehen

Unser Reporter berichtet vom Prozess, dass der Dauercamper Andreas V. verhärmt, bleich und aufgedunsen wirkt. Er soll allerdings auch krank sein. Der mutmaßliche Mittäter Mario S. macht dagegen einen jungen und frischen Eindruck.

Die Angeklagten aus Steinheim (links) und Lügde

Die Anklageverlesung hat eineinhalb Stunden gedauert.

Danach gab es ein Rechtsgespräch, das der Verteidiger des hauptangeklagten Lügders beantragt hat. Dabei ging es um das Strafmaß.Also: welche Auswirkungen hätte ein Geständnis, welche die Entscheidung, nicht auszusagen usw. An dem Rechtsgespräch haben der Verteidiger von Andreas V., die Richterin und die Staatsanwaltschaft teilgenommen.

Alle Beschuldigten gestehen

Erst sah es so aus, als ob sich der Dauercamper nicht zu den Vorwürfen einlassen wird. Dann kam es aber überraschenderweise zu Geständnissen. Der Camper hat fast alle Vorwürfe über seinen Anwalt eingeräumt. Andreas V. selbst sprach nicht. Er beantwortete keine Fragen, machte keine Angaben zur Person und lehnet auch Gespräche mit einem Gutachter ab.

Auch der Mann aus Steinheim hat die Vorwürfe bestätigt und auch selbst gesprochen. Demnach bereue er die Taten, für die er heute keine Erklärung mehr habe. Ihm sei bewusst, wie viel Leid er den Opfern angetan habe. Er sei bereit, eine Therapie zu machen.

Der mitangeklagte Mann aus Stade räumte die Vorwürfe ebenfalls ein.

Um 14:15 Uhr ist der erste Verhandlungstag zu Ende


Ein Gefangenentransporter wird hinter einen Sichtschutz gefahren