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Madline Ponte
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Gekündigt! Das Aus für Android auf Huawei-Smartphones und jetzt?

Huawei

Es war bislang so praktisch: Smartphone-Hersteller wie auch Huawei aus China bauten tolle Smartphones, brauchten sich um die Software der Geräte aber kaum zu kümmern. Denn diese gab es ja von Google. Der Konzern besitzt eine komplette Softwarewelt inklusive dem ausgereiftem Betriebssystem Android und dem Google-Playstore als praktischem App-Marktplatz.

In Kombination ergab das eine jahrelang funktionierende Win-Win Situation: Die Smartphone-Hersteller bauten tolle Handys und vorinstallierten Android als Betriebssystem, Google freute sich über eine gigantische Verbreitung für Android sowie den Playstore und wir Nutzer freuten uns über schicke und funktionierende Smartphones.

Für Huawei ist diese Situation ab sofort Geschichte. Nachdem US Präsident Donald Trump letzte Woche den chinesischen Smartphone-Hersteller auf eine Blacklist der amerikanischen Regierung setzte, kündigte u.a. Google den Chinesen die Nutzungslizenz für Android. Soweit so einmalig, aber was bedeutet das u.a. für uns, wenn wir ein Huawei-Smartphone besitzen oder kaufen wollen.

Die Folgen für Besitzer von Huawei-Smartphones

Die gute Nachricht: Die nächsten drei Monate ändert sich erst einmal gar nichts. Die USA haben in der Nacht die Regelungen gelockert und für 90 Tage den Handel mit Huawei im bisherigem Umfang erlaubt. Danach werden die Huawei-Smartphones - nach bisherigem Informationsstand - weiter mit Android nutzbar sein und werden auch regelmäßig weiter mit Sicherheitsupdates versorgt. Auch die Apps können weiter genutzt werden. Die schlechte Nachricht: Die Huawei-Smartphones werden nach dieser Frist auf der dann aktuellen  Android-Version eingefroren und bekommen keine Aktualisierungen bzw. Weiterentwicklungen zur Verfügung gestellt. Die Verbraucherzentrale NRW erklärt in diesem Zusammenhang: Wir haben als Verbraucher zwar einen Anspruch auf sichere Geräte aber keinen Anspruch auf die immer neueste Software-Version.

Die Folge für zukünftige Huawei-Smartphone-Käufer

Wenn es weiter Huawei-Smartphones gibt – siehe unten - , werden diese wohl nicht mehr mit dem Betriebssystem Android ausgestattet sein. Und jetzt? Richard Yu von Huawei hatte im März in der Tageszeitung „Die Welt“ verkündet, der Konzern hätte ein eigenes Betriebssystem entwickelt. Doch auch wenn Huawei wirklich schon soweit sein sollte, stellen sich Fragen wie: Ist das hauseigene Betriebssystem konkurrenzfähig und für den europäischen Markt geeignet? Und wollen die europäischen Kunden sich auf ein ganz neues System einlassen? Zudem wären die neuen Huawei-Smartphone-Besitzer auch mit eigenem Betriebssystem „etwas flügellahm“. Denn auch zu Google-Diensten wie Google Maps, Gmail oder YouTube hätten sie keinen Zugang. Zudem wäre der Google Play Store nicht nutzbar und damit fehlt der einigermaßen sichere Zugang zu weiteren Apps. Ein solches Smartphone ohne die Google-Dienste wäre voraussichtlich kein attraktives Produkt.

Die Folgen für Huawei

Generell stellt sich die Frage, wie geht es mit der Smartphone-Produktion der Chinesen weiter? Denn neben der Software sind in jedem Huawei-Smartphone auch zahllose weitere Komponenten verbaut, deren Firmen von den amerikanischen Regelungen betroffen sind: Von Intel kommen z.B. die Server-Chips und von Qualcomm Modems und Prozessoren. Beide Firmen (und einige weitere amerikanische Unternehmen) hatten schon angekündigt, das sie zukünftig Huawei nicht mehr beliefern würden.

Die Alternative „Selber machen“ ist zwar theoretisch möglich, aber mit einem riesigen (Kosten-)Aufwand verbunden. Der Investor Tang Haisong erklärte im Handelsblatt: „Es würde Jahrzehnte brauchen, diese komplexe Industrie in China aufzubauen.“ Für Huawei könnten die Folgen dieses Boykotts letztendlich durchaus auch existentielle Ausmaße annehmen. Denn betroffen sind nicht nur die Smartphones sondern auch die Tablets und Smartwatches des Konzerns.

Die Folgen für Google

Für den Suchmaschinen-Giganten sind die Auswirkungen aktuell voraussichtlich überschaubar. Die Nutzer werden statt Smartphones von Huawei in Zukunft voraussichtlich zu anderen Herstellern umschwenken. Solange diese aber mit dem Android-Betriebssystem und dem Google-Software-Universum arbeiten, bedeutet das für Google nur eine Verschiebung auf dem Markt.

Schlimmer wird es kurzfristig die bisherigen Zulieferer von Huawei betreffen – sie alle verlieren millionenschwere Aufträge, wenn der Boykott bzw. die Blacklist der US-Regierung weiter Bestand hat. Denn allein im ersten Quartal 2019 hat Huawei 60 Millionen Smartphones hergestellt. Aber vielleicht beruhigt sich die Lage ja auch noch mal – drei Monate zusätzliche Verhandlungszeit gab`s ja schon mal heute Nacht.

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