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Ein Professor, eine Panne und viele Parodien – wie ein vermeintlich verkorkstes Interview zum Internethit wurde

Wie alles begann: Der britische Politikprofessor Robert Kelly gibt der BBC ein Interview per Skype. Aus seinem Arbeitszimmer in Südkorea spricht er zum Thema „Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye“. Doch plötzlich passiert es – vor laufender Kamera und mitten im Live-Interview öffnet sich die Tür des Arbeitszimmers. Zuerst kommt die größere Tochter des Professors ins Zimmer getänzelt. Wenig später rollt auch der kleine Sohn mit einer Laufhilfe ins Bild. Zu guter Letzt rutscht auch die Frau des Professors leicht hektisch in den Raum, um die beiden Kinder mit sanfter Gewalt wieder aus dem Bild zu ziehen. Nur mit Mühen findet Professor Kelly den roten Faden wieder und setzt das Interview fort. Nachher gibt er zu Protokoll: „Wir hatten Angst, dass uns die BBC nach diesem Vorfall nie wieder anrufen würde.“ Doch die Angst war unbegründet. Die Geschichte einer viral gehenden Panne:

Alles wird anders
Direkt nach dem Interview entschuldigte sich der Professor bei der BBC, er habe vergessen die Türe des Arbeitszimmers abzuschließen. Danach - so erklärte er später - habe er sein Handy auf Flugmodus gestellt und wollte seine Ruhe haben. Doch daraus wurde nichts. Die BBC erkannte die große Chance des lustigen Videos und überredete Kelly und seine Familie, das Interview u. a. bei Facebook einstellen zu dürfen. Der Erfolg kam schnell. Innerhalb von nur vier Tagen wurde der gelebte Interview-Alptraum des Professors 85 Millionen Mal bei Facebook angeklickt, bei YouTube kamen - ebenfalls in kürzester Zeit - weitere 22 Millionen Klicks dazu. Der Internethype war geboren.  

Offiziell mit der ganzen Familie
Schnell gab es weitere Interviews (für die BBC und das Wall Street Journal). Beide Male war auch die ganze Familie offiziell dabei. Darin erklärte seine Frau Kim-Jung-A, wie sie die Situation erlebte. Im Nachbarzimmer hatte sie das Interview im Fernsehen gesehen und mit dem Smartphone aufgenommen. Plötzlich seien die Kinder losgezogen, aber dabei hätte sie sich nichts gedacht. Erst als sie dann ihre Tochter im Fernsehen sah, wusste sie, was passiert war. Auch die Erklär-Videos interessierten wieder Millionen Menschen. Für Kelly ist das Interesse im Nachhinein auch verständlich: „Ich habe das Video gesehen und fand es, wie alle anderen, sehr lustig. Es war eine Mischung aus Überraschung, Beschämung und Liebe.“  

„Home-Office-Alptraum“ für den „Home-Office-Papa“?
Im Netz sorgte das Video für viel Spaß, ein Facebook-Nutzer schrieb: „Ich habe mich kaputtgelacht. Der beste Clip aller Zeiten“. Zum anderen flammte aber auch eine Debatte über die Probleme des Home-Office auf. Ein Facebook Kommentar lautete beispielsweise: „Es gibt die Zeit für die Familie und es gibt die Zeit für den Beruf, das müssen Kinder lernen“. Ein Twitter-Nutzer hingegen schrieb „Kinder oder Karriere – beides geht nicht“.  

Die Pressekonferenz
Nach dem „So kam es-Interview“ mit der BBC und dem Wall Street Journal stellte sich die ganze Familie auch der Presse in einer Pressekonferenz im südkoreanischen Busan. Dort lebt Professor Kelly mit seiner Familie. Im Vordergrund stand dabei schnell die vierjährige Tochter Marion. Stylisch gekleidet mit pinker Sonnenbrille, sandfarbenem Trenchcoat und Lolli nahm sie scheinbar völlig unbeeindruckt den inzwischen auch in Südkorea angekommenen Medienrummel hin. Anschließend gab es auf Twitter schnell zahllose - nicht ganz ernst gemeinte - Jobvorschläge für die Vierjährige. Sie reichten von Fashion-Bloggerin bis hin zur Präsidentin der Welt.  

Die Kopien
Inzwischen wurde das Video bei Facebook bald 90 Millionen Mal angeklickt. Kein Wunder, dass der Viralclip auch zahllose Nachahmer bzw. Parodien herausforderte. So können wir beispielsweise sehen, wie der kleine Donald Trump das Interview seines Pressesprechers Sean Spicer stört (zum Video). In einer anderen Version wird Darth Vader interviewt und die Technikabteilung von Star Wars rollt ins Zimmer (zum Video) oder ein kleiner Junge wird interviewt, während der Vater das Interview stört (zum Video). Die mit Abstand erfolgreichste Parodie kommt von einer neuseeländischen Comedy-Show. Sie zeigt, wie eine Frau in dieser Stress-Interview-Situation (und anderen obskuren Störungen) reagiert hätte (zum Video). Dabei zeigen die Klickzahlen, dass der Hype um das Thema noch lange nicht abgebrochen ist – allein diese Parodie bekam 35 Millionen Aufrufe bei Facebook. Fortsetzung folgt – wahrscheinlich...

 

Bild Startseite: Quelle BBC


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